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Langzeitnachsorge/pflege bei Implantaten, Nachkontrollen


Perfekte Mundhygiene
Die wichtigste Voraussetzung für die Haltbarkeit des Implantats ist Ihre Mitarbeit: Nur durch eine perfekte Mundhygiene sichern Sie den Langzeiterfolg!
Gerade beim Implantat fällt die gründliche Zahnreinigung weit schwerer ins Gewicht als bei echten Zähnen. Bei echten Zähnen ist nämlich das Zahnfleisch nahtlos mit der Zahnoberfläche verbunden und bildet so einen bakteriendichten Abschluss zum Kieferknochen. Nach einer Implantation ist dieser Übergang leicht durchlässig, Bakterien können eindringen. Reinigen Sie daher Kronen, Brücken und Prothesen nach jeder Mahlzeit! Nur so lässt sich die Bildung bakterieller Beläge (Plaque) verhindern, die Entzündungen des Zahnfleischs und des Kieferknochens verursachen und dadurch das Implantat gefährden.

Zur Reinigung empfiehlt sich:
  • Zahnbürsten
  • Zwischenraumbürsten
  • Zahnseide
  • Baumwollband
  • Mundduschen

Mit der Zahnbürste reinigen Sie die Oberflächen von Kronen, Brücken und Prothesen. Die Zwischenräume zwischen einzelnen Kronen und Brückenpfeilern kann die normale Zahnbürste jedoch nicht erreichen. Dort empfiehlt sich die Zwischenraum- oder Interdentalbürste. Sind die Zwischenräume selbst für die Interdentalbürste zu eng, dann benutzen sie Zahnseide, bei Stegkonstruktionen ein Baumwollband. Haben Sie die Beläge mit Zahnbürste und Zahnseide gelöst, können Sie diese bequem mit der Munddusche abspülen. Bitte beachten Sie: Die Anwendung der Munddusche alleine reicht nicht aus. Doch nicht nur auf das "Womit", sondern auch auf das "Wie" kommt es an. Erst die richtige Putztechnik führt zu wirklich sauberen Zähnen. Fragen Sie in der Praxis nach. Ihr Zahnarzt und sein Praxisteam informieren Sie gerne über den richtigen Umgang mit Zahnbürste, Zwischenraumbürste, Zahnseide und Munddusche. Bitte folgen Sie diesen Ratschlägen. Sie schaffen damit die besten Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg Ihrer Behandlung.

Zahnbürsten
Herkömmliche Handzahnbürsten eignen sich zur Reinigung der großflächigen mundwärtsgewandten und wangenwärts gewandten Anteile des implantatgetragenen Zahnersatzes. Auch implantatgestützte Total- und Teilprothesen können damit gereinigt werden. Zu bevorzugen sind Kurzkopfbürsten (erleichterter Zugang) mit weicher bzw. mittlerer Härte und abgerundeten Borstenenden, die nach der Bass-Technik verwendet werden sollten. Vertikalbewegungen in Richtung des periimplantären Übergangsbereichs und damit ein Transport von Plaque in dieser kritische Zone sind zu vermeiden. Der bei druckloser Anwendung erzielbare Massageeffekt trägt zur Straffung der marginalen Gewebe bei.
Besondere Aufmerksamkeit und Pflege bedarf der Bereich des Implantatdurchtrittes durch die Schleimhaut. Der im Vergleich zu natürlichen Zähnen reduzierte Implantatdurchmesser erschwert eine effektive Plaquebeseitigung mit herkömmlichen Mitteln. Daher ist der Einsatz zusätzlicher Hilfsmittel unerlässlich, die sich im parodontal erkrankten bzw. umfangreich restaurierten Gebisssystem bewährt haben. Interdentalbürsten mit ummantelten Borstenträgern (zur Vermeidung von Schäden an den Aufbauteilen) einigen sich für größere Interpapilärräume. (Abb. 1) Kleine Zwischenräume können mit "Superfloss" oder "G-Floss" gereinigt werden. (Abb.2) bzw. schmale Gazestreifen (Abb. 3) sind ebenfalls sehr effektiv in der Entfernung von Belägen. Der ausschließliche Gebrauch herkömmlicher elektrisch betriebener Zahnbürsten, die in der Regel mit einfachen Vertikal- und Schwenkbewegungen arbeiten, führt nicht zu einer suffizienten Reinigung der implantatspezifischen Problemzonen. Geeignet erscheinen Instrumente mit rotierenden Bürstensystemen, die auch schwer zugängliche Nischen, approximale Bezirke und untersichgehende Stellen erreichen. In klinischen Erfahrungen hat sich vor allem die "Plak Control" bewährt. Der kleine Bürstenkopf sowie die gegenläufigen Bewegungen des runden Borstenfeldes erleichtern die gezielte Applikation auch in den schwer zugänglichen oralen und approximalen Bezirken. Besonders für ältere Patienten bzw. allgemein bei eingeschränkter manueller Geschicklichkeit wird die erforderliche Plaquebeseitigung wesentlich erleichtert. Dies betrifft auch Situationen mit umfangreichen festsitzenden Suprastrukturen, die häufig ausgedehnte Nischen und Plaqueretentionsstellen aufweisen. Auch die Reinigung bei ungünstigen Implantatpositionen bzw. Achsenneigungen wird durch den Einsatz dieses Hilfsmittels unterstützt.

Zahnpasten
Der Gebrauch von Zahnpasten ist sinnvoll, er kann die Plaqueentfernung erleichtern und wird von vielen Patienten wegen des erfrischenden Geschmacks als angenehm empfunden. Geeignet erscheinen Pasten und Gele mit geringem bzw. normalem Anteil an Abrasivstoffen. Ein hoher Anteil abrasiv wirkender Beimengungen erscheint nicht empfehlenswert, da bei dauerhaftem Gebrauch möglicherweise eine Aufrauhung der Implantat- bzw. der Suprastrukturoberfläche resultiert. Eine gewisse Zurückhaltung scheint bei der Verwendung fluoridhaltiger Zahncremes geboten zu sein. Sehr hohe Fluoridkonzentrationen bei gleichzeitig niedrigen pH-Werten, wie sie bei einigen zur Fluoridierung empfohlenen Gelen finden, können Titanoberflächen korrosiv verändern und zu einer signifikanten Aufrauhung der Oberfläche führen. Dies ist vor allem bei jüngeren teilbezahnten Patienten (z. B. mit Einzelzahnimplantaten) zu berücksichtigen, da hier häufiger Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe eingesetzt werden.

Mundduschen
In der Verwendung von Mundduschen liegt nur ein unterstützender Effekt, der ein Ausspülen locker aufsitzender Beläge ermöglicht, festsitzender Plaque lässt sich nicht ausreichend entfernen. Die Gefahr einer Bakteriämie verbietet den Einsatz von Wasserstrahlgeräten bei Patienten mit Endokarditisrisiko. Aus den angeführten Gründen kann daher keine generelle Empfehlung zur Verwendung von Mundduschen bzw. Irrigatoren zur Pflege implantatgetragener Suprastrukturen ausgesprochen werden.

Chemische Plaquebeseitigung
Entsprechende Süllösungen (z. B. Chlorhexamed-Fluid) können die suffiziente mechanische Reinigung nicht ersetzen. Als temporär unterstützende Maßnahme ist die chemische Plaquebeseitigung ggf. bei erhöhter exogener Infektionsgefahr (z. B. Krankenhausaufenthalt) sowie begleitend im Rahmen therapeutischer Maßnahmen indiziert. Als Nebenwirkungen einer dauerhaften Anwendung werden die Veränderung der physiologischen Mundhöhlenflora, Verfärbungen der Suprastruktur, eine erhöhte Zahnsteinbildung und Geschmacksirritationen beschrieben.

Nachsorgeintervalle (Recall)
Zur Aufrechterhaltung eines langfristigen Behandlungserfolges sind regelmäßige Nachkontrollen nach einem festgelegten Zeitschema erforderlich.
Von wissenschaftlicher Seite wird die Bedeutung und Notwendigkeit eines systematischen Recalls unterstrichen.

  • Erste Untersuchungen zur Mundhygiene und zum Zustand der prothetischen Versorgung sollten nach 1 bzw. 3 Monaten durchgeführt werden und eine Remotivation des Patienten beinhalten.
  • Bei komplikationslosem Verlauf genügt ein 6 monatlicher Recall, der nach 3- 5 Jahren auf 12 monatige Intervalle umgestellt werden kann.
  • Die Einbindung in ein engmaschigeres Recallsystem ergibt sich bei Patienten mit einer nicht ausreichenden Plaquebeseitigung, bei pathologischen Befunden der periimplantären Hart- und Weichgewebe sowie für Risikogruppen (z. B. parodontale Vorschädigung des Restgebisses, Diabetes, Zustand nach Radiation).